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Dieser Artikel wurde ursprünglich für die Wasseragamenabteilung von Terra-Magica geschrieben. Der Artikel wurde für Bartagame überarbeitet.
08.02.2000
Dieser Teil der FAQ soll möglichst konkret
das Thema Vitaminzusätze und Mineralstoffversorgung behandeln. Darüber hinaus
wird die Frage der UV-B Versorgung erörtert. Sicherlich werden jetzt langjährige
Agamenhalter aufstöhnen..."Warum denn das? Ich halte meine Tiere seit
Jahren erfolgreich und habe mein eigenes Rezept zur Versorgung!" Das sei
auch unbestritten. Im Gegensatz zu Haltern die ihre Tiere schon seit Jahrzehnten
halten, habe ich noch kein Patentrezept entwickeln können. Ganz im
Gegenteil...ich werde von Jahr zu Jahr unsicherer. Ein intensives Gespräch mit
Frau Dr. Keil (Tierärztin aus Hannover) und ein reger Meinungsaustausch mit
Haltern aus den USA und Kanada hat mich nachdenklich gemacht.
Auf den nun folgenden Seiten versuche ich zwischen
wissenschaftlichen Erkenntnissen und eigenen Erfahrungen scharf zu trennen.
Damit deutlich wird, ob es sich nun um einen wissenschaftlichen Beitrag oder
eine persönliche Meinung handelt, werde ich meine Erfahrungen und Meinungen GRÜN
schreiben.
Die vorliegenden Informationen stammen aus diversen
Büchern, Onlineressourcen oder sind Herstellerangaben verschiedener Produkte.
Kaum ist dieser neue Teil bei terra magica dazugekommen, wurde er auch sofort
kritisch beurteilt. Das hat mich zum Einen sehr gefreut, zum Anderen habe ich
jetzt 10 graue Haare mehr. Logischerweise waren meine Infos nicht komplett,
teilweise sind sie ungenau geraten. Um nicht ein allgemeines Gefasel
abzuliefern, werde ich den Inhalt regelmäßig nachbessern. Es ist die Frage
berechtigt, warum ich denn dann überhaupt zu diesem Thema schreibe. Nun ja...es
diskutiert sich eben einfacher über schon veröffentlichte Fakten :-) Die
erste kritische Stellungnahme war extrem umfangreich und hat wichtige Fragen
aufgeworfen. Deshalb ist am Ende dieser Seite ein Fragenkatalog, der wiederum
Eure Mithilfe verlangt.
Neue Informationen werden ROT markiert, um eine Übersichtlichkeit zu gewährleisten.
Häufig werde ich mit der Aussage konfrontiert:
"Ich kenne da jemanden, der seit X Jahren seine Tiere so und so hält und
sie trotzdem regelmäßig Eier legen und gesund sind" Meistens wird dieses
Statement in Bezug auf bestimmte Fragen gegeben, dann aber verallgemeinert. Zur
Beurteilung der Haltungsbedingungen ist das gesamte SETTING zu berücksichtigen.
Verzichtet Halter A z.B. auf UV-B (und verabreicht seinen Tieren aber höhere
Vitamin D3-Dosen) so gilt dies nicht zwangsläufig auch für Halter B, der sich
an die empfohlene Vitamin D3-Dosis hält. Noch schlimmer ist allerdings die
Tatsache, daß viele Halter bei der Beschreibung des Gesundheitszustandes ihrer
Tiere schlichtweg lügen. Wahrscheinlich ist es sehr menschlich, Folgen von
falschen Haltungsbedingungen einfach zu verschweigen oder zu ignorieren. Indiz für
diese These ist das Vorhandensein von Jungtieren mit schweren
Mangelerscheinungen, die von (angeblich) "versierten" und
"erfahrenen" Züchtern in Umlauf gebracht werden.
Inhalt
PhysiologieSymptome
Behandlung
UV-Strahlung
sonstige Vitamine
Was macht Phosphat, Calcium, Vitamin D³und UV-B im Körper meiner Bartagamen?
Bartagamen bzw. alle Reptilien benötigen Phosphate zur Bildung von
Knochenhartsubstanz. Es wird mit der Nahrung aufgenommen. Gefördert wird die
Einlagerung durch das Vitamin D³, gehemmt durch Calciumverbindungen.
Calcium wird ebenfalls zur Knochenbildung benötigt (Mineralisierung), aber auch für die Muskelarbeit, die
Blutgerinnung, die Nervenleitung und zur Übertragung hormoneller Signale. Wie das Phosphor wird auch der Calciumstoffwechsel durch das Vitamin D³ beeinflusst.
Vitamin D³ (auch Calciol oder Cholecalciferol genannt) schließlich wird von Reptilien unter Zuhilfenahme von UV-B in der Haut synthetisiert. „Vitamin D³aus tierischen Quellen das künstlich zugeführt wird (z.B. durch Vitaminlösungen), hat nicht die gleiche Qualität, wie natürlich synthetisiertes. Produkte mit pflanzlichen Vitamin D enthalten Vitamin D², das vollkommen ungeeignet für den Calziumstoffwechsel ist“ (Arcadia Produktinfo auf Grund eigener wissenschaftlichen Studien [ohne weitere Nennung der Quelle]).
Folgender Text stammt aus einer mail vom 09.02.2000:
"Man kann tagaktive Reptilien problemlos ohne
signifikante UV-Bestrahlung halten und auch über viele Generationen züchten
und gesund aufziehen. Das sind persönliche Erfahrungen mit mehreren tagaktiven
Echsenarten und die Erfahrung vieler anderer Herper. Günther Köhler kann Dir
bestätigen, daß das zu keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung führen muß.
Andererseits MUß Vitamin D3 auch bei Verwendung von UVB-Leuchten immer noch zusätzlich
als Supplement gegeben werden, da derzeit keine der im Handel befindlichen
Lichtquellen wirklich eine den Verhältnissen in der Natur ähnliche D3 Synthese
bewirken kann."
und weiter:
"Extern zugeführtes Vitamin D3 kann durchaus effizient
supplementieren und ist nicht per se "schlechter" als das durch UVB körpereigen
umgewandelte, man muß nur eben höhere Dosen verabreichen, als bei der Synthese
im Körper ausreichen würden (ich glaube, darauf zielt Mader auch ab -wenn es
denn so viel schlechter wäre, warum ist es dann übersupplementierbar?)."
Zusammenfassend
kann man sagen, dass es sowohl um ein ausgewogenes Calcium–Phosphat-Verhältnis
im Blut, also auch im Futter geht.
Des weiteren ist die zwingende Zuführung von UV-B bislang scheinbar nicht
ausreichend wissenschaftlich erforscht und wird somit zu einer Art
Glaubensfrage. Auch die derzeit angebotenen Lichtquellen scheinen nicht
ausreichend zu sein (siehe den Teil UV-B-Röhren)
[Inhalt]
Was passiert bei einem zu hohen Phosphatgehalt im Blut?
Generell ist ein hoher Phosphatgehalt im Blut gleichbedeutend mit einem zu niedrigen Calciumspiegel, da Calcium ja auch den Phosphatstoffwechsel reguliert. Gerade ein permanent erhöhter Phosphatgehalt im Blut (Hyperphosphatämie) führt zu einer stoffwechselbedingten Knochenerkrankung (engl.: MBD - Metabolic bone disease), auch unter dem bekannteren „Sammelbegriffen“ Knochenerweichung oder RACHITIS bekannt. Wird Phosphat durch zu geringen Calciumspiegel nicht eingelagert, führt dies z.B. zu einer Abnahme der Knochendichte. Auch ein zu geringer Anteil an Vitamin D³ führt zu einer Erhöhung des Phosphatspiegels. [Inhalt]
Was passiert bei einem zu niedrigem Phosphatspiegel?
Theoretisch ist dies möglich. Die Hypophosphatämie entsteht seltener durch falsche Nahrung (da die normale Reptiliennahrung in der Regel immer eine hohe Phosphatkonzentration enthält / auch vegetarische Nahrung!), sondern eher durch erbliche Schädigung, die den Phosphatstoffwechsel negativ beeinflusst. Auswirkungen eines zu niedrigen Phosphatanteils im Blut sind ebenfalls eine Mineralisationsstörung der Knochen (ähnlich einem zu hohen Phosphatanteil). [Inhalt]
Was passiert bei einer zu hohen Calciumkonzentration im Blut?
Eine Hypercalcämie führt zu einer Abnahme des Phosphatanteils mit den entsprechenden Folgeerkrankungen und zu Lähmungen. [Inhalt]
Was passiert bei einem zu niedrigem Calciumspiegel?
Durch falsche Ernährung kann es häufig zu einer dauerhaften Herabsetzung des Calciumspiegel im Blut kommen (Hypocalcämie). Dadurch wird wiederum der Phosphatspiegel angehoben. [Inhalt]
Was passiert bei einer Überdosierung von Vitamin D³?
Eine Überdosierung (D-Hypervitaminose) hat einen Anstieg des Calciumspiegels (Hypercalcämie) und eine Senkung des Phosphatspiegels (Hypophosphatämie durch vermehrte Ausscheidung bei Niereninsuffizienz) zur Folge. Chronische Überdosierung von Vitamin D³ führt damit ebenfalls zu Rachitis. Im Gegensatz zu der These, dass künstlich (in Form von Vitaminpräparaten) oder durch Nahrung aufgenommenes Vitamin D³ weniger wirksam wäre als das natürlich durch Einwirkung von UV-B synthetisierte Vitamin D³, unterscheidet man bei einer Über- oder Unterdosierung nicht! (Siehe allerdings dazu auch Punkt 1) [Inhalt]
Was passiert bei einem zu niedrigem Vitamin D³-Spiegel?
Eine D-Hypovitaminoseverhindert einen ausreichenden Phosphat- und Calciumstoffwechsel. Folge ist eine mangelnde Mineralisierung der Knochen und Störung der Nierenfunktion. Eine gestörte Nierenfunktion führt wiederum zu einer reduzierten Ausscheidung von Phosphaten mit weiterem Absinken des Calciumspiegels. [Inhalt]
Wie äußert sich ein zu hoher Phosphatspiegel bzw. ein zu niedriger Calciumspiegel?
Vorab sei zu erwähnen, das nicht nur eine falsche, bzw. unausgewogene Ernährung
ein Absinken des Calciumspiegels / Erhöhung des Phosphatspiegels zur Folge hat,
sondern z.B. auch eine Störung der Nierenfunktion (bakterieller Infekt,
D-Hypervitaminose o.ä.) und auch das Eierlegen (!) führt zu einer Reduzierung
des Calciumanteil im Blut. Meistens ist jedoch gerade eine Überdosierung von
Vitamin D³ verantwortlich. „Betroffene Tiere leiden meist an vergrößerten
Nieren, die ein erfahrener Tierarzt im Bereich der Beckenschaufel ertasten kann.
Neben der Nierenvergrößerung kommt es erst zur erhöhten Harnausscheidung und
letztendlich zum Harnverhalt. Gerade in der Phase der vermehrten
Harnausscheidung kann ein gesteigerter Durst beobachtet werden“ (MADER, Dr.
D., „Reptile Medicine and Surgery“, 1996, Saunders)
Diese Information ist zwar hilfreich, bringt aber den „normalen“ Halter
nicht weiter. Wer kann schon eine normale von einer vergrößerten Niere
unterscheiden. Wichtiger sind diese Informationen bei dem Besuch eines
Tierarztes/ärztin, die weniger Erfahrungen mit Bartagamen mitbringt. Ich persönlich
könnte keine Aussagen zur Häufigkeit des Harnlassens meiner Tiere machen.
Interessant wäre aber eine Blutuntersuchung, die dann eben einen erhöhten
Phosphatgehalt und einen geringen Calciumgehalt (weniger als 8,5mg/dl) aufweisen
würde.
aus der email vom 09.02.2000
"Bei der Diagnose "vergrößerte
Niere" wäre ich sehr vorsichtig, das von vornherein, also nur nach
Palpierung, auf D3 Überdosierung zu schieben. Meines Erachtens ist viel häufiger
eine mangelnde Flüssigkeitsversorgung und ein viel zu hoher Protein -und
Salzgehalt (man denke nur an die vielgeliebten Sepiaschalenkrümel!) der Nahrung
die Ursache."
[Inhalt]
Wie äußert sich ein zu hoher Calciumspiegel bzw. ein niedriger Phosphatspiegel?
Ein extremer Calciumüberschuß löst je nach Höhe der Überdosierung erst
Muskelzittern und dann Lähmungen aus. Das Muskelzittern ist gerade in den
Endgliedern der Zehen und der großen Muskeln an der Schwanzwurzel zu erkennen.
Zu einer Überdosierung kann es kommen, wenn frei nach dem Motto „Viel hilft
viel“ bei der Verwendung von Zusatzprodukten verfahren wurde. Allerdings
spielt auch hier die Versorgung mit Vitamin D³ eine Rolle.
[Inhalt]
Wie äußert sich eine Überdosierung von Vitamin D³?
Wie schon gesagt kann es zu einer Überdosierung nur in Verbindung mit künstlicher Zuführung von Zusatzpräparaten kommen. In Verbindung mit UV-B wird Vitamin D³ in der Regel in der genau benötigten Menge synthetisiert. Folgen einer Überdosierung können Appetitlosigkeit, Verstopfung und Erbrechen sein. Wird dauerhaft überdosiert verlangsamt sich das Wachstum der Bartagamen, es kommt zu einem Muskelabbau, Verkalkung der Arterien und einem Wildwuchs von Knochen und Knorpeln. [Inhalt]
Wie äußert sich eine Unterversorgung mit Vitamin D³?
Langfristig führt eine Unterversorgung mit Vitamin D³ zur Knochenerweichung /
Rachitis.
Bis hier kann man festhalten das eine Überdosierung jeweils zu
Vergiftungserscheinungen, eine Unterversorgung zu eher schleichenden Prozessen führt.
Unterversorgungen haben immer Rachitis zur Folge. Bevor ich noch näher auf die
anderen Vitamine eingehe, möchte ich Auszüge der jeweiligen caresheets von Melissa
Kaplan und Tricia Power heranziehen, die klassische Symptome einer
Rachitis beschreiben.
[Inhalt]
Wie erkenne ich eine Rachitis?
Ein sicheres Zeichen für eine vorliegende Rachitis ist die Unfähigkeit der
Bartagamen, den Rumpf im hinteren Bereich anzuheben. Im Frühstadium wird das
Becken und der Schwanz beim Krabbeln deutlich weniger angehoben. Die Hinterbeine
erscheinen beim Bewegungsablauf unkoordiniert. Ein weiteres Zeichen ist die
Biegsamkeit der Ober- und Unterkiefer. Bei Bartagamen sollten sich die
Kieferknochen bei Druck stabil anfühlen. Geben sie nach, ist dies ein Zeichen
beginnender Knochenerweichung. Spätestens bei Knochenbrüchen OHNE
entsprechendes Trauma (Sturz o.ä.) würde der Tierarzt im Verlauf der
Behandlung eine Rachitis diagnostizieren können. Bei Verdacht auf eine
bestehende Rachitis sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden.
Ich hatte vor einiger Zeit ein Bartagamenweibchen mit deutlicher Rachitis übernommen.
In Folge der zunehmenden Knochenerweichung hatten sich die Kiefer verformt. Das
Weibchen war nicht mehr in der Lage größere Insekten oder feine Salatblätter
zu fressen. Mit einer ausgewogenen Ernährung, einer leicht erhöhten
Calciumgabe und einem ausreichendem Angebot von UV-B konnte die Rachitis
zumindest in ihrem Fortschreiten gehindert werden. Deformierte Gelenke und
Knochen „erholen“ sich nur in ihrer Stabilität, nicht aber in ihrer Form.
[Inhalt]
Wie verhindere ich Rachitis?
...jetzt wird es kompliziert!
Zunächst einmal sollte das Futter ein ausgewogenes Calcium-Phosphat Verhältnis
aufweisen. Wünschenswert wäre ein positives Calcium-Phosphat Verhältnis, also
mehr Calcium statt Phosphat.
| Futtertier | CALCIUM (in %) | PHOSPHAT (in %) |
| Mehlwurm | 0.26 | 0.23 |
| Heimchen | 0.23 | 0.74 |
| Regenwurm | 1.18 | 0.90 |
| Maus (1-2 Tage alt) | 1.60 | 1.80 |
| Maus (7-10 Tage alt) | 1.40 | 1.30 |
| Maus (adult) | 0.84 | 0.61 |
Wichtig beim Verfüttern von Mäusen ist, das sie schon Haare und Knochen gebildet haben sollten. Gerade die Knochen enthalten viel verwertbares Calcium. Die Tabelle macht auch deutlich, daß auch die beliebten Heimchen kein sonderlich gutes Ca-P-Verhältnis haben. Um dieses Verhältnis zu verbessern gibt es zwei Möglichkeiten: [Inhalt]
Wie kann ich den Calciumgehalt meiner Futtertiere verbessern?
Ihr habt hier zwei Möglichkeiten. Zum einen könnt ihr die Heimchen, Grillen,
Heuschrecken etc. „aufladen“, also 2-3 Tage vor der Verfütterung mit einem
Nährstoffpulver mit hohem Calciumgehalt füttern. „Füttern“ bedeutet, das
ihr sie einstaubt und hofft, das sie beim Fressen des Heimchenfutters in der
Dose möglichst viel davon aufnehmen. Günstig wäre ein Phosphatfreies Pulver.
REPTICAL von TETRA hat beispielsweise 29 % Calcium und 9,5% Phosphat. T.
POWER empfiehlt reines Calciumcarbonat (CO3). Eventuell
können zerstoßene Sepiaschalen verwendet werden, die genaue Zusammensetzung
ist mir aber nicht bekannt (siehe dazu allerdings auch Punkt 9)
Die zweite Möglichkeit ist das bekannte „Panieren“ vor der Verfütterung.
Beide Möglichkeiten garantieren keine genaue Einschätzung des tatsächlichen
Ca-P-Verhältnisses.
Der oben schon zitierte Tiermediziner MADER stellt fest, das Rachitis bei
mäusefressenden Schlangen extrem selten vorkommt.
[Inhalt]
Wie oft soll ich Calcium und Phosphat zu den Futtertieren geben?
Wie gleich noch bei dem Thema Vitamin D3 besprochen wird, ist eine Überdosierung ebenso schädlich wie eine Unterversorgung. Dies gilt auch für Calcium und Phosphat. Gerade das Phosphat ist ja ausreichend in jeder Nahrungsquelle vorhanden. Ein zusätzliches Bestäuben mit Mineralstoffen und Vitaminen muss man von der Art des Futters abhängig machen. Bei Mäusen mit Fell als Grundnahrung fallen die zusätzlichen Gaben von Calcium und Phosphat fast weg. Hier würde ein wöchentliches Aufwerten des Futters reichen. Wer ausschließlich Grillen und Heimchen verfüttert sollte alle drei Tage die Tiere aufwerten. Junge Bartagamen benötigen jedoch generell häufiger Zusatzstoffe als ausgewachsene Tiere. [Inhalt]
Wieviel Vitamin D³ benötigen meine Bartagamen?
Mader schlägt generell 100 I.E. /kg pro Woche vor.
Keil (Bekannte Tierärztin aus Hannover) empfiehlt ebenfalls 100 I.E. /kg pro Woche.
1 mg Vitamin D³ entsprechen 40.000 I.E.
[Inhalt]
Welches Mittel soll ich denn nun zur Vitamin D³ Versorgung nehmen?
POWER stellt folgende Rechnung auf. Ein in Kanada häufig verwendetes
Mittel enthält 15000 I.E. pro ml. Ein Tropfen entspricht 1/20 ml. Die
Verabreichung eines Tropfens (also 750 I.E.) würde demnach für ein 7,5 Kilo
schweres Tier reichen. Eine Überversorgung ist garantiert!
Ein anderes Beispiel bietet oben bereits erwähntes Reptical von Tetra. Gemäß
der Inhaltsliste enthalten 1 Kilogramm (!) Reptical
38.500 I.E. Vitamin D³. Die wöchentliche
Dosis würde also durch die Gabe von sage und schreibe 2,6 Gramm gedeckt werden.
Leider sind auf der Dose nur Milliliter angegeben...ich schätze aber, das ich
mindestens 3 Esslöffel von diesem Pulver benötigen würde. Bei dem üblichen
„Panierverfahren“ ist eine ausreichende Vitamin D³ Versorgung durch
Reptical allein vollkommen ausgeschlossen.
Frau Dr. Keil gab mir bei der letzten
Routineuntersuchung meiner Bartagamen ein Präparat mit. Es ist von der Firma
ATAROST und heißt einfach „Aufbautabletten –für Hunde-„ und ist
rezeptpflichtig...nicht lachen!!! Dr.
Keil gehört zu den anerkanntesten Reptilien-Experten in Deutschland. Ein Blick
auf die Packungsbeilage verrät Genaueres. Je Tablette sind unter anderem
75 I.E. Vitamin D³ enthalten. Kaum eine Bartagame wiegt über 750 Gramm. Daraus
folgt, das pro ausgewachsenem Tier eine Tablette pro Woche ausreicht. Leichtere
Weibchen benötigen eine halbe oder dreiviertel Tablette. Die Tabletten können
entweder aufgeweicht und mit einer Plastikspritze direkt in das Maul gespritzt,
oder in (bei Mäusen) bzw. an Futtertiere „geklebt“ werden. Heimchen werden
also quasi „gedippt“ und dann mit Pinzette gezielt verfüttert. Der Preis
der Packung (20 Tabletten) lag bei knapp 10DM. Ihr solltet euren Tierarzt
einfach mal darauf ansprechen.
Wie oben schon beschrieben stellt MADER in seinen Forschungen über die
Wirksamkeit der Versorgung mit künstlichen Vitamin D³ fest, das es nicht so
wirksam sei, wie natürlich in der Haut synthetisiertes. Auch KEIL rät
zur Reduzierung der Vitamin D³ Gaben um 50%, wenn ausreichend UV-B angeboten
wird (siehe dazu aber auch Punkt 1)
[Inhalt]
Wie funktioniert die Vitamin D³ Synthese in Verbindung mit UV-B Strahlen?
Ohne hier lang über die chemischen Prozesse reden zu wollen ist festzuhalten, das durch Gabe von Licht mit UV-B Anteil auf natürlichem Weg Vitamin D³ in der Haut von Bartagamen gebildet wird. UV-B hat eine Wellenlänge von 280-315 Nanometern und liegt dabei außerhalb des sichtbaren Spektrums (380-780 nm). Das Pflanzenwachstum wird durch den Rotanteil (650-700 nm) gefördert. Braun werden wir durch UV-A (315-400 nm). [Inhalt]
Welche Leuchtmittel produzieren UV-B?
Zweifelsfrei lässt nur die Verpackung einen Rückschluss zu. Es gibt zwar günstige
Pflanzenlampen im Baumarkt...die glänzen aber eher durch den hohen Rotanteil
und weniger durch das von uns benötigte UV-B. Auf der sicheren Seite ist man
mit den einschlägigen Röhren oder Strahler für die Terraristik (Reptiglo,
Iguanalights, Arcadia etc.). Sie enthalten fast immer 5% UV-B.
Folgender Text stammt aus der email von 09.02.2000 und widerlegt
tatsächlich rein rechnerisch die oben beschriebene Wirksamkeit normaler
Reptilienröhren bei der Synthese von Vitamin D3:
"Eine handelsübliche UVB-Röhre emittiert bei 30W Gesamtleistung so etwa 5
% UVB. Wieviel davon im tatsächlich optimalen Wellenlängenbereich liegen, sei
einmal ganz außer acht gelassen. Die Röhren emittieren Licht im 360 Grad
Umfeld. Auf wieviel Quadratzentimeter Fläche sich die Lichtemission dann
(meinetwegen ohne Streuverluste) bereits in 30 cm Abstand verteilt, ist leicht
auszurechnen. Nun setze man ein Reptil in diesem Abstand unter die Röhre und
messe die Quadratzentimeter bestrahlter Hautfläche. Nun berücksichtige man, daß
weniger als 1 % der UVB-Strahlung die Haut durchdringt und überhaupt zur D3
Umwandlung verwendet werden kann. War man nun fleißig, wird man vielleicht doch
anzweifeln, daß die paar nW oder pW die da noch ankommen, signifikant für natürliche
Sonnenbäder supplementieren können."
GANZ WICHTIG !!!!
UV-Strahlen können Glas und Acryl nicht durchdringen (deshalb werden wir ja
auch im Zimmer nicht braun). Die Röhren müssen also innerhalb des Terrariums
angebracht werden oder der Deckel muss aus UV-durchlässigem Kunststoff oder
Spezialglas bestehen.
Praktisch finde ich hier das Arcadia-System. Die gesamte Elektrik
(Transformator, Starter etc.) befinden sich in einem externen Gehäuse. Nur zwei
Kabel führen zu den eigentlichen Röhrenhalterungen. Die sind aus Gummi und
spritzwassergeschützt. Die Röhren werden einfach in diese Röhrenhalterungen
gesteckt und mit Plastikklips an den Terrariendeckel geklemmt. Das Vorschaltgerät
kann dann in einiger Entfernung (30 cm) außerhalb des Terrariums platziert
werden.
Verschiedentlich wird von Bestrahlungen mit einer Speziallampe (z.B.
Osram-Ultavitalux) gesprochen. Diese Bestrahlungen sollen täglich max. 10
Minuten durchgeführt werden. Meiner Meinung nach sollte die Reptilienhaltung möglichst
realitätsnah (also maximal an den in der freien Wildbahn vorkommenden
Gegebenheiten) orientiert sein. Ein extremer Sonnenschein für maximal 10
Minuten am Tag erscheint mir nicht gerade natürlich. Da eben sehr wenig
wissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf chemische Vorgänge bei Echsen
existieren, sollte man sich einfach an die naturgegebenen Rhythmen halten. Bei
der allgemeinen Beleuchtungsdauer, der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit
verfahren wir ja auch so. Trotzdem werde ich nun auch die OSRAM Vitalux
einsetzen...denn die natürliche Dosis UV-B kann ich durch den Einsatz von Röhren
in keinster Weise erreichen. Erfahrungen anderer Halter waren für meine
Entscheidung maßgeblich.
Aus der mail vom 09.02.2000
"Über das Parietalauge bzw die Epiphyse
steuert neben der Periodik auch die Lichtintensität aber wichtige
Verhaltensparameter.
Durch die hohe Lichtemission wirkt daher die Ultravitalux zusätzlich zur
zweifelhaften Wirkung des UV-Anteils stimulierend. Fachleute können Dir sicher
bestätigen, daß für die Anregung epiphysengesteuerter Prozesse oft bereits
kurze Belichtungszeiten ausreichend sind. Generell sollte der Lichtintensität höhere
Aufmerksamkeit gewidmet werden."
Kommen wir nun zu den übrigen Vitaminen
[Inhalt]
Was machen andere Vitamine im Körper meiner Bartagame?
Da dieses Thema noch weniger untersucht wurde als der Calcium-Phosphor-Vitamin D³-Komplex,
beschränke ich mich auf die wenigen allgemeinen Angaben. Generell ist
festzuhalten, das im Falle einer Unterversorgung entsprechende
Mangelerscheinungen auftreten, eine Überdosierung der fettlöslichen Vitamine
(A, D, E, K) zu vergiftungsähnlichen Symptomen führen können. Die wasserlöslichen Vitamine (B, C) werden bei Überdosierung ausgeschieden.
Solltet Ihr genauere Informationen über den Bedarf der u.a. Vitamine besitzen,
würde ich mich über eine email
freuen!
Vitamin B-Komplex unterstützt die Verarbeitung von tierischem und pflanzlichem Eiweiß, unterstützt den Zellstoffwechsel der Nervenzellen und ist an Zellteilungsprozessen beteiligt.
Vitamin C (auch Ascorbinsäure genannt) hilft bei der Infektionsabwehr
Vitamin D (auch Calciferol, Calciol oder Cholecalciferol [je nach Typ] genannt) wurde ausreichend besprochen
Vitamin E (auch Tokopherol genannt) wird zum Muskelaufbau benötigt und hat Einfluß auf Geburts- und Legevorgänge
Vitamin K ist wichtig für die Blutgerinnung [Inhalt]
Eure Mithilfe ist gefragt. Es sollen Alternativprodukte gesucht und vorhandene Mittel
bewertet werden. Wichtig ist eigentlich nur der Calciumgehalt, der
Phosphatgehalt und der Vitamin D3-Gehalt in I.E. Hier ist es besonders wichtig,
die unterschiedlichen Bezugsgrößen anzugeben (I.E. pro Kg / pro Liter / ml /
Gramm etc.). Mailt mir bitte mal eure Produkte
| Name | Firma | Calcium | Phosphat | Vitamin D3 | Besonderes |
| Reptical | TETRA | 29% | 9,5% | 38500 I.E. /kg | *1 |
| Aufbau- tabletten für Welpen |
ATAROST | Calciumhydrogen- phosohat 85 mg |
75 I.E./Tablette | sehr gut dosierbar | |
| Necton MSA | . | 27% | 0% (!) | 10000 I.E. /kg | *2 |
| Multimulsin | . | 0 | 0 | 7.500.000 I.E. / Liter | *3 |
| Multibionta | . | . | . | 1000 I.E. /ml | sehr gut dosierbar |
*1 Bei der als sinnvoll
erachteten Dosierung von 100 I.E. Vitamin D3 müßten 2,6 Gramm pro Woche
verabreicht werden. Damit scheidet REPTICAL als alleiniger Vitamin D3-Spender
aus.
*2 NECTON ist Phosphatfrei und daher zur Aufwertung von Futtertieren ideal
geeignet. Der Vitamin D3-Anteil ist eher gering und daher zur alleinigen Vitamin
D3-Versorgung ungeignet.
*3 MULTIMULSIN enthält 7500 I.E. pro ml Lösung. Das entspricht 375 I.E.
pro Tropfen (1/20 ml), ausreichend für ein Tier von 3,75 Kilo. Damit müßte
Multimulsin nach der derzeit vorherrschenden Meinung (100 I.E. /kg /Woche) stark
verdünnt werden, um eine sinnvolle Dosierung zu gewährleisten und eine Überdosierung
zu vermeiden.
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